Betriebsgesellschaft im Botanischen Garten: Betriebsleiter läuft Amok und Freie Universität (FU) schreitet nicht ein

Beschäftigte des Botanischen Gartens Berlin antworten mit öffentlicher Aktion

Der 3. April 2016 war nicht für alle ein Frühlingstag, um im Botanischen Garten die Natur zu genießen und sich auf dem Staudenmarkt  umzusehen.  Vor  den  Toren  standen  Beschäftigte und viele Unterstützerinnen und Unterstützer  und  kämpften  für  den Schutz der Arbeitsplätze und gegen die Zumutungen durch die FU Berlin und die den Garten betreibenden Betriebsgesellschaft (BG), die eine 100% Tochter der FU ist.

Samstag Mittag 13 Uhr: Auf der Seite Königin-Luise Straße stehen Beschäftigte, die mit Besuchern über ihre Arbeitsbedingungen sprechen. Am Eingang auf  der  anderen  Seite „Unter den Eichen“ stehen Unterstützer, die „die Ausbeutung wegfegen“ wollen. Mit Besen  fegen  sie  kleine  Kartons,  auf  denen  die  Arbeitsbedingungen beschrieben wurden, durch die Menschenmasse. Erst nach zehn Minuten werden sie vom Wachdienst „hinausbegleitet“.

Nein, es war kein schlechter Aprilscherz, ab dem 1. April hatte die Betriebsgesellschaft eine Werkvertragsfirma (Fa. Gegenbauer) mit  der Unterhaltsreinigung  des  Gartens beauftragt und – trotz laufender Interessenaushandlung mit dem Betriebsrat – eigene Beschäftigte von der Arbeit freigestellt. Darunter sind zwei Betriebsräte, die unbefristete Arbeitsverträge haben. Bisher haben Beschäftigte im Umfang von 5,2 Vollzeitstellen die Reinigung im Garten erledigt

Jetzt sollen 2‐3 Leute im Umfang von 1,5 Vollzeitstellen die Arbeit der bisher sechs Angestellten machen, die diese gerade so geschafft haben. Das  fiel auch den  Besuchern  auf,  die  mit  den Streikenden diskutierten und sich über die unhygienischen Zustände der Besuchertoiletten beklagten. Die Auflösung des Bereichs  Reinigungsservice  wurde im Botanischen Garten während der laufenden Tarifverhandlungen vollzogen.

Auslagerung über Werkverträge ist eine der Maßnahmen, gegen die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kämpfen. Zwar hat sich das Kuratorium der FU Berlin am 21.4.2016 gegen Personalabbau durch Werkverträge ausgesprochen, nicht aber die Möglichkeit der Auslagerung selbst. Daneben steht der Kampf für das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche  Arbeit“ im Mittelpunkt. Im Botanischen Garten gibt es schon lange Beschäftigte 1. und 2. Klasse. Teile der Belegschaft werden nach dem TV‐L bezahlt, andere werden in der ausgegründeten Gesellschaft zu deutlich geringeren Konditionen (bis zu 42% Lohnunterschied) für die gleiche Arbeit beschäftigt.

Seit Februar 2015 verhandelt ver.di mit der Betriebsgesellschaft und der FU Berlin über einen Tarifvertrag, um diese Ungleichbehandlung zu beenden. Nach ersten Streiks im Frühjahr gab es nach einem Jahr Verhandlung Bewegung auf der Arbeitgeberseite, die zumindest für das Jahr 2016 rund 80% TV-L Niveau angeboten haben. Strittig sind nun noch die Einmalzahlung für das Jahr 2015, die Annäherung an den TV-L in 2017 sowie die Länge der Laufzeit. Hier kann es zu weiteren Streiks kommen.

Die Beschäftigten haben in den vergangenen Wochen große Solidarität erfahren durch die Besucher und Unterstützerinnen und Unterstützer und werden sicherlich nicht das letzte Mal aktiv geworden sein.

Botanischer Garten.jpg

 

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